Rede unseres schulpolitischen Sprechers – Kreistag 27.04.2021

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

liebe Kreistagskolleginnen und -kollegen,

der MINT-Bildung kommt in unserer als strukturschwach eingeordneten Region Südniedersachsen eine zentrale Rolle zu.

Insofern ist das Ansinnen der Mehrheitsgruppe weitere MINT-Angebote aus dem Oberzentrum Göttingen heraus auch in den Mittelzentren zu etablieren grundsätzlich zu unterstützen.

Das Ziel sollte dabei sein, die vielfältigen MINT-Angebote, die es ja bereits gibt, besser aufeinander abzustimmen, gemeinsame Ziele zu formulieren und Maßnahmen zu koordinieren, sodass auch Schülerinnen und Schüler, die bisher nicht in den Genuss der MINT-Förderung kommen, davon partizipieren können.

Ich denke, da sind wir uns alle einig.

Bereits im zuständigen Schulausschuss hatte ich konkrete Informationen zu ihrem Antrag erbeten. Meine Nachfragen konnten oder wollten Sie im Fachausschuss nicht beantworten. Auch bei der Vorstellung heute, bleiben viele Fragen unbeantwortet, so dass die Intention des von Ihnen erwünschten Konzeptes nach wie vor, für uns zu unpräzise ist.

Sie wollen SuS, die sich für MINT-Fächer interessieren, die Gelegenheit geben, vertieft lernen und forschen zu können. Das vorrangig an den kreiseigenen Berufsschulen.

MINT-steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Sie beschränken sich nur auf N und T: Naturwissenschaft und Technik. Wollen aber offenbar „Digitales / Geselllschaft / Soziales“ gerne auch gleich mit abfrühstücken. ..?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, „Digitales“ wäre doch das I, nämlich Informatik. Wie und warum „Gesellschaft und Soziales“ nun mit MINT unter einen Hut gebracht werden soll, bleibt unbeantwortet.

Dass die Berufsschulen sich in der MINT-Förderung einbringen, ist absolut unterstützenswert und ich bin mir sicher, dass unsere BBSen in Hann Münden, Duderstadt und Osterode, auch sicherlich gerne aktiv dabei sind. Ich frage mich nur, warum Sie nicht im Vorfeld Ihres Antrages mit den Schulleitungen der BBSen über Ihre Idee gesprochen haben. Die Schulleitungen aller sechs Kreis- BBS wussten bis zur Veröffentlichung Ihres Antrages nichts davon.

Sie wollen die Kooperation mit schon aktiven Trägern ermöglichen und Betriebe, Unternehmen und Schulen vernetzen. Alles sehr löblich.

Alles das gibt es schon. Warum 100.000 € für die Erstellung eines Konzeptes rauswerfen, wenn an anderer Stelle diese Ideen schon umgesetzt werden?

Dass was Sie mit Ihrem Antrag verfolgen, ist in weiten Teilen unter dem Projekttitel MINT.ZE: „Mint: Zukunft .Erleben. Wissen von heute für unser Südniedersachsen von morgen“. Bereits vollständig konzeptionell ausgearbeitet.

An der Realisierung sind die Südniedersachsenstiftung, die Georg-August-Universität, My Gatekeeper und die Robotikfreunde Göttingen sowie 44 Kooperationspartner aus Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft, Bildung und Schule, Vereinen und Verbänden und Kommunen vertreten und aktiv dabei.

Was bringt ihr Antrag Neues und vor allem Besseres, was nicht schon auf den Weg gebracht ist?

Nehmen Sie die 100.000 € und verteilen Sie diese an die Schulen, die sich bereits in der MINT-Förderung überdurchschnittlich engagieren und auch gerne an die, die sich engagieren wollen, damit diese ihre Ausstattung verbessern können.

Ich empfehle Ihnen nochmals die bestehenden MINT-Aktivitäten im Landkreis Göttingen zu fördern und die Vernetzung der bestehenden Initiativen voranzutreiben, statt neue, zudem völlig unkonkrete Initiativen teuer loszutreten.

Dieser Antrag ist ein Schlag ins Gesicht aller Schulen und Akteure, die aktiv MINT-Förderung betreiben, aber noch um 5000,00 € betteln müssen, damit sie zwei Laptops, eine fachspezifische Software oder einen Monitor erhalten.

Deshalb werden wir dieser Geldverschwendung nicht zuzustimmen und den Antrag der Mehrheitsgruppe ablehnen.

Jens Haepe
Schulpolitischer Sprecher